Bericht zu den Projektarbeiten von Wibia e.V. in 2013

Zur Unterstützung der Projektarbeiten reiste Jochen Müller im April und im Oktober/November 2013 nach Tansania. Schwerpunkte der Arbeiten waren:

  • Unterstützung der Primary School in Wibia: Schulspeisung, Pumpeninstandhaltung, Verbesserung der leherer-Situation durch Renovierung von zwei Lehererhäusern und durch Lehrerfortbildungen, Auswirkungen auf die Schulperformance
  • Unterstützung der Krankenstation in Wibia durch Konstruktion von Wassertanks und durch Seminare zur Gesundheitserziehung in Kooperation mit dem Krankenhaus in Makiungu
  • Schulprojekt in Olalaa: Schulbänke und Renovierung eines Lehrerhauses
  • Verbesserung der wasserversorgung in Mtundru
  • Projektstandorte 2014: Vorbereitungen in den Primary Schools von Nkurusi und Ngongosoro

Dieser Bericht gibt ein Update über die Projekte 2013. Zur weiteren Übersicht, zusätzlichen Hintergrund- und Detailinformationen lesen Sie bitte auch die Projektberichte der vergangenen Jahre.

Unterstützung der Primary School in Wibia

Schulspeisung
Ein fortlaufendes Projekt ist die Schulspeisung in der Primary School in Wibia, die etwa 600 Schulkindern täglich eine warme Mahlzeit ermöglicht. Das Projekt begann 2008 mit dem Bau der Küche, eines Vorratsraums, sowie der brennholzsparenden Öfen, und wird mittlerweile eigenständig aus den mitteln der Dorfbevölkerung bestritten.
2012 stoppte die Schulspeisung teilweise, da zu wenige Beiträge im Dorf (Mais, Hirse, Geld) eingesammelt wurden. Zur Verbesserung der Transparenz wurde 2012 ein unabhängiges Gremium (School Feeding Board) geschaffen, welches aus Mitgliedern aller Kirchen im Ort besteht und eine Kontrollfunktion über die Schulspeisung ausübt. Das Gremium überwacht die Beiträge der Dorfbevölkerung und deren Quittierung, die Überprüfung der Aushänge und Bücher der Schule bzgl. Anlieferung und Verwendung der Lebensmittel und Geldbeiträge, berichtet regelmäßig über den Status in öffentlichen Versammlungen und motiviert die Bevölkerung zur Teilnahme an der Schulspeisung. Diese Maßnahmen zeigten Wirkung: in 2013 wurden genügend Lebensmittel im Dorf eingesammelt und die Schulspeisung erfolgte ohne Unterbrechung.
Besonders hervorzuheben ist hierbei, dass die Krise der Schulspeisung durch das Dorf selbst - und nicht von Wibia e.V. - überwunden wurde. Die eigenständige Lösung der Probleme stärkt Wibia für die Zukunft. Ihre Selbstständigkeit und Unabhängigkeit von fremder Hilfe hat die Schulspeisung in Wibia im gesamten Singida-Distrikt bekannt gemacht. Dies ist auch der Distrikt-Regierung bewusst, sodass Wibia mittlerweile als Standardbeispiel nachhaltiger Schulspeisungen für andere Schulen beworben wird.

Pumpeninstandhaltung
Durchschnittlich haben 28 % der Bevölkerung Tansanias Zugang zu sicherem Trinkwasser, eine Ursache für viele erkrankungen (z.B. Diarrhoe, Bilharziose). Gerade im ländlichen Bereich ist dieser Prozentsatz wesentlich kleiner. Viele Dörfer im Singida-Distrikt verfügen über keine Brunnen, sodass die bewohner zur Trinkwasserversorgung auf die wenigen Quellen, Oberflächenwasser oder Grabungen in den saisonalen Flussläufen angewiesen sind.
Mit sechs Tief. (>35m) und zwei Flachbrunnen (<20m) ist Wibia im Vergleich zu anderen Dörfern relativ fut mit Trinkwasser versorgt. Obwohl die Nira- und Afridev-Handpumpen wenig Wartung benötigen, verschließen ihre Gummidichtungen. Ihr Preis entspricht etwa dem Monatslohn eines lokalen Handwerkers, eine Pumpe kostet etwa das Monatsgehalt eines Lehrers.

Verbesserung der Lehrersituation in der Wibia Primary School
Im Projektbericht 2012 haben wir über die schwierige Situation der Grundschullehrer in ländlichen Gebieten berichtet. In Tansania fehlen Grundschullehrer - auch weil der Lehrberuf an staatlichen Grundschulen im vergleich zu der wachsenden Zahl privater schulen unattraktiv geworden ist. Im Vergleich zu einem Berufsanfänger an einer privaten Schule (oder auch in der lokalen NGO!) verdient ein Grundschullehrer an einer staatlichen Schule etwa die Hälfte.
Zudem sind ländliche Gebiete mit schlechter Infrastruktur, ohne Elektrizitäts- und Wasserversorgung, weit entfernt von der nächsten Stadt und medizinischen Einrichtungen, sowie schwierigen klimatischen Bedingungen kein populäres ziel für junge Lehrer und deren langfristigem Engagement. Zunehmend bedienen sich lehrer manipulierter Gesundheitstestate, um in Schulen in der Nähe größerer Städte, oder zumindest einer Straße, versetzt zu werden.
Viele Grundschulen im Singida-Distrikt leiden unter einem akuten Lehrmangel - Schulen mit drei Lehrern für sieben Klassen sind keine Seltenheit. Dies führt zu vielen Freistunden, überlasteten und demotivierten Lehrern und insgesamt zu einer schlechten Ausbildung der Kinder.An der Wibia Primary School  ist Anfang 2013 die zahl der Lehrer auf sechs gesunken. Dies bedeutet, dass maximal vier bis fünf (aufgrund administrativer Tätigkeiten, Behördenterminen in Singida oder einfach wegen ungeplanten täglichen Gegebenheiten) für den täglichen Schulbetrieb der rund 600 Schulkinder in sieben Klassen zur Verfügung stehen. Dank der Motivation unserer Lehrer ist Unterricht an Samstagen mittlerweile üblich, insbesondere für die Abschlussklasse der Schule.

Dieser Bericht gibt ein Update über die Projekte 2013/2014