Bericht zu den Projektarbeiten von Wibia e.V. in 2014/15

Bericht zu den Projektarbeiten von Wibia e.V. in 2014/15

Jochen Müller, April 2015
Zur Unterstützung der Projektarbeiten reiste Jochen Müller im Februar 2015 nach Tansania.
Schwerpunkte der Arbeiten waren

  • Unterstützung in Wibia
  • Trinkwasserbrunnen in Mtunduru
  • Fertigstellung der Klassenräume und der Regenwasserspeicher in den Primary Schools von Nkurusi und N’Gongosoro
  • Weiterführende Projekte 2015/16 in N’Gongosoro: Bau einer Krankenstation, inkl. Regenwasserspeicher und Solarsystem, sowie vier Trinkwasserbrunnen

Dieser Bericht gibt ein Update über die Projekte 2014/2015. Zur weiteren Übersicht, zusätzlichen Hintergrund- und Detailinformationen lesen Sie bitte auch die Projektberichte der vergangenen Jahre.

Unterstützung in Wibia

Seit Beginn der Zusammenarbeit in 2003 hat sich die Situation in der Schule und im Dorf sehr positiv entwickelt. Die Verbesserung der medizinischen Versorgung, die Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser und einer täglichen Schulspeisung, der Verbesserung der Lehrersituation etc. sind die Rahmenbedingungen für eine im lokalen Maßstab gute Schulausbildung gegeben.

Projektbilder

Trinkwasserbrunnen in Mtunduru

In Mtunduru, Sepuka Ward, haben wir in 2013 ein Projekt zur Verbesserung der Wasserversorgung der lokalen Primary und Secondary School durchgeführt. Insgesamt wurden drei produktive Wasserbrunnen inklusive Handpumpen errichtet. Die Trinkwasserquellen sind 2015 in Betrieb gegangen und versorgen die Schulen mit sauberem Trinkwasser.

Projektstandorte 2014: Nkurusi und N’Gongosoro

Hintergrundinformationen zu Nkurusi und N’Gongosoro
Nkurusi und N‘Gongosoro liegen abgeschieden im Südwesten des Ikungi-Distrikts, Tansania, nahe der Grenze zu Tabora. Die Dörfer sind etwa 100 km von der nächsten größeren Stadt Singida entfernt und nur über Buschpisten erreichbar. Der Ikungi-Distrikt zählt aufgrund seiner geographischen Bedingungen zu einer der ärmsten Regionen in Tansania. Das Klima ist geprägt durch zunehmend lange Trockenperioden (2014: Trockenzeit von März-Dezember). Auswirkungen der globalen Klimaeffekte sind zunehmend auch im Ikungi-Distrikt zu spüren: Verlängerung und Verlagerung der Regenzeit und damit Verringerung der landwirtschaftlichen Erträge.

In Nkurusi leben 357 Familien, (etwa 3600 Einwohner) in N‘Gongosoro 306 Familien (etwa 3000 Einwohner), hauptsächlich vom Stamm der Sukuma, die traditionell von der Vieh- und Landwirtschaft leben. Die Lebenserwartung in ländlichen Regionen wie Nkurusi Und N‘Gongosoro beträgt im Durchschnitt 56 Jahre. Die Bewohner leben in einfachen Lehmhäusern, die weit verstreut voneinander liegen und von den bewirtschafteten Flächen umgeben sind. Haupteinnahmequelle ist die Vieh- und Landwirtschaft. Die Bevölkerung erwirtschaftet ein durchschnittliches Jahreseinkommen von etwa 100€/Person, bei durchschnittlich 8 Personen pro Haushalt.

Jegliche Infrastruktur (Wasser, Straßen oder ein Anschluss an ein Verkehrsnetz, Elektrizität, sanitäre Einrichtungen etc.) und eine medizinische Versorgung fehlen. Nkurusi ist 17 km, N‘Gongosoro 27 km von der nächsten Krankenstation entfernt, die in den meisten Fällen zu Fuß zurückgelegt werden. Die Bevölkerung leidet vor allem unter Malaria, Magen-Darm-Infektionen, Atemwegserkrankungen, Hautausschlägen, Parasitosen, Typhus, Hepatitis und Augenerkrankungen. Schwangere haben vor oder während der Entbindung keine Möglichkeiten zur medizinischen Versorgung. Daher sind Entbindungen auf dem langen Weg zur nächsten Krankenstation keine Seltenheit. Weit verbreitet sind Verbrennungen von Frauen und Kinder durch mangelhaft geschützte Feuerstellen. Notfälle bleiben oft unversorgt, einfache Frakturen meist unbehandelt. Die fehlende medizinische Infrastruktur führt oftmals schon bei einfach zu behandelnden Erkrankungen zum Tod (z.B. Malaria, Verletzungen, Wildtiere, Geburten etc.).


Ein Zugang zu sicherem Trinkwasser ist nicht vorhanden. Es gibt keine Brunnenanlagen, verschmutztes Trinkwasser wird aus saisonalen Flussläufen und Oberflächengrabungen gewonnen, die sich die Dorfbevölkerung mit den Wildtieren teilt. Die Wasserquellen sind ungeschützt und werden auch zum Tränken der Kühe und Ziegen genutzt, was die Wasserqualität zusätzlich verschlechtert und Ursache für eine Vielzahl von Erkrankungen ist (Magen- und Darmerkrankungen, Bilharziose, etc.). Die Entfernungen zu den Wasserquellen sind teilweise sehr groß, so dass viel Zeit für den täglichen Wassertransport aufgebracht werden muss.

Dies wirkt sich natürlich auch auf die Schulanwesenheit der Kinder aus. Aufgrund der fehlenden Klassenräume findet der Unterricht der Erstklässler außerhalb statt. Etwa 40% der Bevölkerung sind unter 14 Jahre. Der Bildungsstand der Bevölkerung ist gering, nur für die zunehmende Zahl von Schulkindern kann von einem Bildungsstand nach westlichem Maßstab gesprochen werden. Die Ausbildung der Kinder steigt mit der Teilnahme am (kostenlosen) Unterricht der Primary School, dessen Qualität allerdings bei schlecht ausgebildeten Lehrern und bis zu 80 Schülern pro Klasse gering ist. Aufgrund der Gebühren für weiterführende Schulen (Secondary School) und der verbreiteten Kinderarbeit hat nur ein geringer Teil der Kinder die Möglichkeit zum Besuch einer weiterführenden Schule.
Erstellung von Klassenräumen inkl. Regenwasserspeichersystem in Nkurusi und N’Gongosoro
Als Schüler der Grundschulen in Nkurusi und N‘Gongosoro hat man keine Chance auf eine gute Schulausbildung. In 2013 betrug die Erfolgsquote der Abschlussklassen 4% bzw. 6%. Eine Schulspeisung ist nicht vorhanden.
Die Primary School in Nkurusi hat aktuell 400 Schüler und 6 Lehrer. Die sieben Klassen werden in insgesamt zwei Klassenräumen unterrichtet, zwei weitere werden vom Dorf aktuell gebaut. Die Situation in N’Gongosoro ist nicht viel besser: hier werden 304 Schüler von 5 Lehrern in drei Klassenräumen unterrichtet. Für die Unterbringung der Lehrer gibt es in beiden Schulen jeweils nur zwei Lehrerhäuser. Beiden Schulen fehlt es an Schulbänken und Unterrichtsmaterialien.


Schulgebäude mit zwei Klassenräumen inkl. Regenwasserspeichersystem in Nkurusi und N’Gongosoro
Projektarbeiten in 2014
In Nkurusi und N’Gongosoro wurden 2014 jeweils zwei Klassenräume inkl. Regenwasserspeichersystemen errichtet und die Klassenräume mit Schulbänken und Unterrichts-materialien ausgestattet. Die Klassenräume wurden zusätzlich mit 80 Schulbänken ausgestattet. Zur Trinkwasserversorgung der Schulkinder wird das Regenwasser der Dächer in jeweils einem 44 m3 großen unterirdischen Tank gespeichert. Zur Förderung dient eine wartungsarme Handpumpe. Des Weiteren wurde die Schule in N‘Gongosoro 2014 mit Küchenmaterialien (Essgeschirr, Töpfe) ausgestattet, als Starthilfe zur Einrichtung einer fortlaufenden Schulspeisung.
Ausstattung der Klassenräume und Trinkwasser für die Schulkinder
Eine weitere Verbesserung der Situation beider Dörfer und ihrer Schulen kann nur durch eine grundlegende Verbesserung der medizinischen Situation und der Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser erzielt.
Insgesamt sollen in beiden Dörfern mittelfristig die positiven Ergebnisse aus unserer Entwicklungszusammenarbeit mit dem Dorf Wibia (Verbesserung der Schulsituation durch Bau von Klassenräumen, Regenwasserspeicher, Instandsetzung von Brunnen, Bau einer Schulküche und Vorratsraum, Unterstützung beim Bau einer Krankenstation, Bau von Lehrerhäusern, etc.) übertragen werden. In Wibia wurde 2014 eine Schulperformance von 100% erreicht, zu Beginn unserer Projekte 2004 betrug diese etwa 15%.

Weiterführende Projekte 2015/16 in N’Gongosoro
Zur Verbesserung der Situation in N’Gongosoro planen wir 2015/16 den Bau einer Krankenstation, inkl. Regenwasserspeicher und Solarsystem, sowie vier Trinkwasserbrunnen.
Von der Verbesserung der medizinischen Situation durch Bau einer Krankenstation profitieren alle Bewohner im Umkreis von N’Gongosoro. Ein besonderer Fokus liegt auf der Verbesserung der medizinischen Versorgung von Mädchen und Frauen, da sie die schlechte medizinische Versorgung am härtesten trifft. Dies ist einerseits durch die Hauptlast der täglichen Arbeiten im Dorfalltag begründet und andererseits durch die noch immer bestehende Geschlechterdiskriminierung. Von den im Dorf geplanten Trinkwasserbrunnen werden besonders Frauen und Kinder profitieren, da sie im Dorfalltag für den Wassertransport von den weit entlegenen Wasserstellen am Fluss zuständig sind.
Die Dorfbevölkerung und die Distriktverwaltung sind an der Vorbereitung und Durchführung der Arbeiten essentiell beteiligt. Mit N‘Gongosoro besteht ein Entwicklungsfahrplan, der gemeinsam zwischen Distriktverwaltung, Dorfbevölkerung und Wibia e.V. beschlossen wurde.


• 2014: Verbesserung der Schulsituation in N’Gongosoro durch Erstellung von zwei Klassenräumen und Regenwasserspeicher (erfolgte in Projekt 2014)
• 2015: Etablierung einer Schulspeisung
• 2015/16: Verbesserung der medizinischen Versorgung durch Bau einer Krankenstation inkl. Erstausstattung
• 2016: Bau von vier Wasserbrunnen zur Verbesserung der Trinkwassersituation
• 2017+: Verbesserung der Lehrersituation durch Bau von zwei Lehrerhäusern


Die Dorfbevölkerung wird, wie bei allen bisher umgesetzten Projekten von Wibia e.V., durch personelle (Handwerker, Hilfskräfte) und materielle (z.B. Bereitstellung von lokalen Materialen wie Sand und Wasser, Transportmitteln) Mitarbeiten die Baumaßnahme mittragen, so dass dem Selbsthilfewillen der Bevölkerung Rechnung getragen wird. Dies reduziert die Projektkosten, und schafft insbesondere ein Verantwortungsbewusstsein für die Projekte und deren Instandhaltung über den langfristigen Betrieb.


Als erstes Bauprojekt soll 2015 eine Krankenstation in N’Gongosoro errichtet und Unterstützung bei der Erstausstattung geleistet werden. Die Krankenstation wird nach tansanischem Standard gebaut, die Distriktverwaltung überwacht die Bauprojekte. Ausführende sind lokale Handwerker unseres lokalen Partners HAPA.


Zur Erstausstattung der Krankenstation gehört die Installation einer Solaranlage zur Versorgung mit elektrischer Energie. So kann auch abends und nachts ein operativer Betrieb gewährleistet werden. Zur Unterstützung bei der Innenausstattung der Krankenstation zählen Betten, Tische, Bänke, Liegen, Moskitonetze etc., die Arzneimittelschränke, ein Kühlschrank mit Gasversorgung, die Laborausstattung einschließlich Sterilisator.
Die Krankenstation soll die Erstversorgung bei Verletzungen übernehmen, Impfungen und Schwangerschaftsbetreuung durchführen sowie Diagnose und Therapie der häufigsten Krankheiten ermöglichen. Die medizinische Grundversorgung und Medikation ist hierbei für alle Dorfbewohner kostenlos, kostenintensive Medikamente und Zusatzanwendungen müssen allerdings von den Patienten selbst bezahlt werden – dies ist der nationale Standard in Tansania. Medizinisch komplizierte Fälle, die nicht vor Ort behandelt werden können, werden (nach einer evtl. Notbehandlung) an das Krankenhaus in Singida oder Makiungu verwiesen.


Das zweite Bauprojekt besteht im Bau eines Regenwasserspeichersystems inkl. unterirdischem Tank, Dachrinnen, instandhaltungsarmer Handpumpe zur Förderung des Trinkwassers etc. Das in der Regenzeit gespeicherte Regenwasser soll den operativen Betrieb der Krankenstation mit sauberem Trinkwasser unterstützen. In Seminaren und während der Installation werden die von der Dorfregierung ausgewählten Verantwortlichen bzgl. Funktion und Wartung des Regenwasserspeichersystems geschult.


Das dritte Bauprojekt in 2016 besteht im Bau von vier produktiven Wasserbrunnen inklusive Handpumpen. Hierzu werden je nach Ergebnis des geologischen Gutachtens für N’Gongosoro vier Tiefbohrungen unternommen (bis 60m). Die Auswahl der Bohrorte erfolgt durch Befragung der Bevölkerung nach Wasseradern, visueller Begutachtung der Umgebung und einem geologischen Gutachten. Nach der Bohrung werden PVC-Rohre in das Bohrloch eingebracht (welche auf der Höhe der wasserführenden Schicht Öffnungen für das Eintreten des Wassers haben), und zur Bohrung hin mit kleinen Steinen aufgefüllt. Damit Oberflächenwasser das Bohrloch nicht verunreinigen kann, werden die Brunnen eingefasst und versiegelt. Anschließend erfolgt der so genannte „Pumptest“, bei dem 24 Stunden Druckluft in das Bohrloch eingeblasen wird. Der Pumptest liefert die Ergiebigkeit der Wasserader und säubert den Brunnen. Der Abschluss der Arbeiten besteht in der Installation der instandhaltungsarmen Handpumpen. In Seminaren und während der Installation werden die von der Dorfregierung ausgewählten Verantwortlichen bzgl. Funktion und Wartung der Pumpen geschult.


Wie immer werden Projekte oder spezielle Maßnahmen mit allen Beteiligten diskutiert und gemeinsam entschieden. Nur so kann Erfolg und Nachhaltigkeit der Projekte gewährleistet bleiben. Wibia e.V. finanziert sich hauptsächlich durch private Spenden, die zu 100% in die laufenden Projekte fließen, alle Reisekosten nach Tansania oder Kosten vor Ort werden von den Reisenden selbst übernommen.
Im Herbst jeden Jahres veröffentlichen wir wieder unseren Wibia-Kalender, der Ihnen anschaulich unsere Arbeit in Tansania verdeutlichen soll. Durch seine kostengünstige Herstellung fließen die hierdurch gesammelten Spenden ausschließlich in die Projekte vor Ort. Zur weiteren Unterstützung unserer Projekte in Tansania benötigen wir auch weiterhin Ihre Hilfe.


Vielen Dank für Ihre Unterstützung – Asanteni Sana (Herzlichen Dank)
Ihr Wibia Team

Bericht zu den Projek tarbeiten von Wibia e.V. in 2014 /15