Bericht zu den Projektarbeiten von Wibia e.V. in 2015/16

Zur Unterstützung der Projektarbeiten reiste Jochen Müller im Februar/März 2016 nach Tansania. Schwerpunkte der Arbeiten waren:

  • Unterstützung in Wibia: Instandhaltung Lehrerhäuser und Trinkwasserbrunnen
  • Bau einer Krankenstation, inkl. regenwasserspeicher und Solarsystem, sowie vier Trinkwasserbrunnen in N'Gongosoro

Dieser Bericht gibt ein Update über die Projekte 2015/16. Zur Übersicht, zusätzlichen Hintergrund- und Detailinformationen lesen Sie bitte auch die Projektberichte der vergangenen Jahre.

Allgemeine Informationen
Aufgrund von geringen Niederschlägen war 2015 ein Jahr der schlechten Ernten im Singida-Distrikt, so dass die Regierung zur Verhinderung von Hungersnöten Lebensmittel an die Bevölkerung Lebensmittel verteilt hat. Dies hat zu einem Aussetzen der Schulspeisung in Wibia geführt (seit November 2015), da die Dorfbevölkerung keine Nahrungsmittel an die Schule abgeben konnte. Die aktuelle Regenzeit (seit Oktober mit ausreichenden Regenfällen) steht unter dem Einfluss des El Nino-Phänomens, so dass eine sehr gute Ernte erwartet wird und ein Neustart der Schulspeisung nach der Ernte ab Juni wieder eingeplant ist. Der großen Wassermengen wirken sich allerdings negativ auf unsere Projektarbeiten aus, da viele Straßen unpassierbar sind und der Transport von Baumaterialen durch das Steckenbleiben des LKW verhindert wird.
Seit der Amtseinführung des neuen Präsidenten Magufuli im November 2015 hat sich die Zusammenarbeit mit den Behörden Tansanias weiter verbessert. War auch in den letzten Jahren bereits eine deutliche Verbesserung hinsichtlich Einhaltung von Zusagen und Terminen, Unterstützung durch Transportmittel und Treibstoff in den Projekten zu verzeichnen, hat sich die Zusammenarbeit mit den Distriktbehörden weiter verbessert. Magufuli kämpft gegen Korruption, Steuersünder, lethargische Beamte, Verschwendung von Staatsmitteln und erzeugt insgesamt eine positive Aufbruchsstimmung im Land. Er sagt Paraden und Staatsfeierlichkeiten ab, um das Geld anderweitig zu verwenden, Regierungsvertreter dürfen keine Auslandsreisen mehr unternehmen, er überprüft die morgendliche Anwesenheit von Staatsbeamten, Schulbildung der Secondary School ist seit Januar 2016 kostenlos, entlässt Spitzenbeamte, denen Unterschlagungen vorgeworfen werden, veranlasst die monatliche Reinigung von Straßen und Städten etc.
Die Gesundheitslage in Tansania ist aktuell durch eine Cholera-Epidemie gekennzeichnet. Mehrere zehntausend Menschen sind betroffen, auch in Puma, einem Nachbarort von Wibia, sind bereits mehrere Menschen an den Auswirkungen der Cholera verstorben. Dies zeigt, dass sich durch schlechte Hygienezustände und mangelnde Gesundheitsdienste auch heute noch Epidemien ausbreiten können. 1982 hat sich in unserem neuen Projektstandort N’Gongosoro eine Katastrophe ereignet. Die gesamte Gegend um N‘Gongosoro wurde durch den Ausbruch einer Pestepidemie entvölkert. Durch den aktuellen Bau der Krankenstation in N‘Gongosoro wird sich so etwas zukünftig nicht mehr ereignen können.

Unterstützung in Wibia
Die Situation in Wibia zeigt sich insgesamt positiv. Durch die Aktivitäten der letzten Jahre hat sich eine – im Vergleich zu den anderen Projektstandorten – relativ verbesserte Lebensqualität (was natürlich nicht mit europäischen Standards vergleichbar ist!) eingestellt. Die Krankenstation arbeitet weiterhin erfolgreich, der durch die Krankenstation etablierte wöchentliche Markt bringt weiterhin Gelder nach Wibia, mehrere lokale Teehäuser versorgen die Besucher der Krankenstation, es gibt einige neue Häuser im Dorf etc.
Die Situation in der Schule ist auch 2015/16 gut. Die Verbesserung der medizinischen Versorgung, die Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser und einer täglichen Schulspeisung, der Verbesserung der Lehrersituation etc. sind gute Rahmenbedingungen für die Schulausbildung in Wibia. Aufgrund der Erfolge der Primary School wird aktuell die Einrichtung einer weiterführenden Schule (Secondary School) in Wibia geplant. 2015 wurde eine Schulperformance von 83% erreicht, d.h. 43 von 52 Teilnehmern der Abschlussklasse (7. Klasse) haben die Prüfung für die weiterführende Secondary School bestanden. Der Erfolg ist geringer als die 100%-Quote aus dem letzten Jahr, aber immer noch ein guter Wert im Vergleich zum Zustand zu Beginn unserer Projekte (2004: 15%) und zu anderen Schulen im Distrikt (17. Platz im Distrikt-Vergleich unter 110 Schulen). Der landesweite Test der 4. Klasse hat Wibia den 4.-besten Platz im Singida-Distrikt eingebracht, so dass für die Zukunft eine gute Performance in Wibia erwartet werden kann.
Aufgrund der Ernteausfälle wurde ab November 2015 die tägliche Portion Uji (Hirse-Porridge) für die 600 Schulkinder in Wibia eingestellt. Dies stellt die vom Dorf eigenständig organisierte Schulspeisung allerdings nicht in Frage. Insgesamt waren zu wenig Lebensmittel im Dorf verfügbar, um Mais, Hirse und Geld an die Schule abzugeben. Aufgrund der erwarteten guten Ernteerträge in 2016 ist die Weiterführung nach der Ernte im Juni 2016 fest eingeplant.
Zur Verbesserung der Trinkwassersituation in Wibia wurden zwei Tiefbrunnen gewartet. Die Kosten für die Instandhaltung wurden hierbei zu gleichen Anteilen zwischen Distrikt (Bereitstellung der Handwerker), der Dorfverwaltung und Wibia e.V. (jeweils Kosten für Ersatzteile) aufgeteilt.
In 2013 hat Wibia e.V. in Zusammenarbeit mit dem Dorf zwei Lehrerhäuser in Wibia renoviert. Über die Holzrahmen der neuen Türen und Fenster haben sich seitdem nicht nur die Lehrer gefreut, sondern auch die allseits verbreiteten Termiten. Mittlerweile sind einige Holzkomponenten komplett gefressen worden, so dass eine Instandhaltung notwendig geworden ist. Die betroffenen Komponenten werden durch ein härteres Holz ersetzt und mit beträchtlichen Mengen an „Dudu-Killer“ (Holzschutzmittel) getränkt. Aus diesem Grund werden in der neuen Krankenstation in N’Gongosoro ausschließlich Eisenfenster eingebaut.Ein besonderes Ereignis für das lokale Fußballteam in Wibia war die Ausstattung mit offiziellen T-Shirts der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die vom DFB gesponsert wurden.
Als Dank für die Unterstützung von Wibia e.V. durch die GGS Richterich in Aachen haben die Schüler der 6. Klasse Postkarten für ihre deutsche Partnerschule vorbereitet. Dies ist für die Kinder und auch die Dorfbewohner ein absolutes Novum: Versenden von Briefen oder Postkarten, Briefmarken o.ä. sind im Dorf nicht bekannt. Also wurden 50 neugierige Schüler und Schülerinnen der 6. Klasse in einer zusätzlichen Einheit über die Versendung der Postkarten unterrichtet. Die Postkarten werden im Laufe des Jahres in Aachen eintreffen.

Bau einer Krankenstation in N’Gongosoro
Der Lebensstandard in N‘Gongosoro ist weit entfernt von dem in Wibia, wo zumindest medizinische Einrichtungen und sauberes Wasser über Tiefbrunnen verfügbar sind, die Straße nach Puma gut befahrbar ist und zumindest ein Telefonnetz vorhanden ist. In N’Gongosoro fehlt dies alles. N‘Gongosoro liegt 27 km von der nächsten Krankenstation entfernt, in den meisten Fällen zu Fuß zurückgelegt. Zugang zu sicherem Trinkwasser ist nicht vorhanden. Die Primary School von N’Gongosoro besuchen aktuell insgesamt 300 Schüler - die Schule hatte 2015 eine Performance von 0%, d.h. alle Schüler der Abschlussklasse wurden in die 6. Klasse zurückgestuft.

Nach unseren Bauaktivitäten zur Verbesserung der Schulsituation im letzten Jahr (zwei Klassenräume inkl. Ausstattung mit Schulbänken und Unterrichtsmaterialien sowie ein Regenwasserspeichersystem) stehen 2015/16 grundlegende Verbesserungen der medizinischen Situation der gesamten Dorfbevölkerung und der Zugang zu sauberem Trinkwasser im Fokus unserer Arbeiten.
Aktuell ist der Bau der Krankenstation, inkl. Regenwasserspeicher und Solarsystem, weit fortgeschritten. Der Rohbau und Dach sind fertiggestellt, Eisenfenster eingebaut, elektrische Installation vorbereitet, die Verputzarbeiten im Inneren der Krankenstation haben begonnen. Die Solaranlage zur Versorgung der Krankenstation mit elektrischer Energie wurde ausgelegt und ein Unternehmen für die Beschaffung und Installation der Solaranlage ausgesucht.Der Aushub für die Toiletten ist vorhanden, ebenfalls die nötigen Steine für deren Fertigstellung. Insgesamt ist Ende April die Fertigstellung der Krankenstation geplant.

Parallel zu den Arbeiten an der Krankenstation wird ein Regenwasserspeichersystem gebaut, welches die Versorgung der Krankenstation mit sicherem Trinkwasser gewährleisten soll. Der Bau des unterirdischen Tanks (50000 l) ist mittlerweile abgeschlossen. Die Abschlussarbeiten (Installation der Dachrinnen, Handpumpe zur Förderung des Trinkwassers etc.) werden zeitgleich mit der Fertigstellung der Krankenstation Ende April erfolgen.
Viele Entwicklungsprojekte in Tansania verfehlen den Aspekt der Nachhaltigkeit durch eine mangelnde Einbeziehung der Bevölkerung in Planung und Ausführung der Projektarbeiten, da so oftmals das Erreichen eines „Unser-Gefühls“ bzgl. des Projektziels verfehlt wird. Die Arbeits- oder Kostenlast der Projektarbeiten in N‘Gongosoro muss daher von der Dorfgemeinschaft tatsächlich empfunden werden, um ein Verantwortungsbewusstsein für den langjährigen Betrieb und Instandhaltung der Krankenstation zu erreichen.

Die Projektarbeiten wurden seit Beginn der Arbeiten im Oktober sehr gut von der Dorfbevölkerung und der Distriktverwaltung unterstützt. Der Distrikt half durch die Bereitstellung ihres einzigen LKW und die Übernahme aller Transportkosten. Die Dorfbevölkerung übernahm die Beschaffung von lokalen Baumaterialien (Sand, Steine-Aggregat, Wasser).

Der aktuelle Projektstatus (März 2016) ist trotz Schwierigkeiten bei Projektarbeiten in der Regenzeit gut. Probleme entstehen einerseits durch überschwemmte, weggespülte oder sumpfige Straßen, die einen Transport von Zement, Stahl etc. nach N’Gongosoro erheblich erschweren (von 6 Fahrten mit Baumaterialien im Februar sind 3 Trips mit dem LKW stecken geblieben, inkl. Verzögerung von einem Tag zum Freischaufeln). Andererseits sind die Prioritäten der Dorfbevölkerung essentiell auf die Feldarbeiten zur Vorbereitung der Ernte ausgerichtet, so dass die Motivation der Dorfbevölkerung zur Teilnahme an Projektarbeiten (Lebensmittel für 2016 sind wichtiger als der Bau einer Krankenstation) erschwert wird.

Nach Abschluss der Arbeiten an der Krankenstation sind bis Dezember 2016 noch weitere Projekte in N’Gongosoro geplant. Um Zugang zu sicherem Trinkwasser für die Dorfbevölkerung und die Schule zu gewährleisten, werden mindestens vier Tiefbrunnen gebohrt und Handpumpen installiert. Zudem werden zur Unterstützung bei der Innenausstattung der Krankenstation Betten, Tische, Bänke, Liegen, Arzneimittelschränke etc. beschafft. Das Projekt in N’Gongosoro wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (75% der Projektkosten, 25% trägt Wibia e.V.) gefördert. Hinzu kommen der Anteil der Distriktverwaltung bzgl. Transportkosten und der Anteil der Dorfbevölkerung mit lokalen Arbeitern und Bereitstellung von lokal verfügbaren Baumaterialien.

Wie immer werden Projekte oder spezielle Maßnahmen mit allen Beteiligten diskutiert und gemeinsam entschieden. Nur so kann Erfolg und Nachhaltigkeit der Projekte gewährleistet bleiben. Wibia e.V. finanziert sich hauptsächlich durch private Spenden, die zu 100% in die laufenden Projekte fließen, alle Reisekosten nach Tansania oder Kosten vor Ort werden von den Reisenden selbst übernommen.

Im Herbst jeden Jahres veröffentlichen wir wieder unseren Wibia-Kalender, der Ihnen anschaulich unsere Arbeit in Tansania verdeutlichen soll. Durch seine kostengünstige Herstellung fließen die hierdurch gesammelten Spenden ausschließlich in die Projekte vor Ort. Zur weiteren Unterstützung unserer Projekte in Tansania benötigen wir auch weiterhin Ihre Hilfe.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung - Asanteni Sana (Herzlichen Dank)

Ihr Wibia Team

Projektbilder