Bericht zu den Projektarbeiten von Wibia e.V. in 2017 und 2018

Oliver Köhler, November 2018

Zur Unterstützung der Projektarbeiten reisten Jochen und Ana Bolena Müller im März 2017 nach Tansania. Schwerpunkte der Arbeiten waren

  • Unterstützung der Schulspeisung in Wibia
  • Besuch der Medizinstation in N´Gongosoro
  • Abnahme der fertiggestellten Brunnen in N´Gongosoro
  • Besuch der Bauarbeiten des Personalhauses für die Medizinstation

Dieser Bericht gibt ein Update über die Projekte 2017/2018. Zur weiteren Übersicht, zusätzlichen Hintergrund- und Detailinformationen lesen Sie bitte auch die Projektberichte der vergangenen Jahre unter http://wibia.de/html/projekte.html.

Die Rückseite des Küchengebäudes mit den zwei Schornsteinen der Öfen.

Unterstützung in Wibia

Seit Beginn der Zusammenarbeit in 2003 hat sich die Situation in der Schule und im Dorf Wibia sehr positiv entwickelt. Durch die Verbesserung der medizinischen Versorgung, die Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser, die Einführung einer täglichen Schulspeisung sowie durch eine Verbesserung der Lehrersituation sind mittlerweile die Rahmenbedingungen für eine im lokalen Maßstab gute Schulausbildung gegeben.

Bei ihrem Besuch im März 2017 in Wibia war abzusehen, dass die Dorfbevölkerung nicht in der Lage war, die Schulspeisung für 2017 komplett aus eigenen Kräften alleine zu stemmen. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, die Schulspeisung mit 1.500 € zu unterstützen. Von diesem Geld wurden die benötigten Zutaten, in diesem Fall hauptsächlich Zucker, gekauft.

Mit Einführung der Schulspeisung vor 9 Jahren gab es eine dreijährige Übergangsphase, in der die Kosten für die Schulspeisung, anfänglich getragen vom Wibia e.V., nach und nach vollständig auf die Dorfbevölkerung übertragen worden sind.

Die Praxis hat seitdem allerdings gezeigt, dass es immer wieder Zeiten geben wird, in der die Unterstützung des Wibia e.V. benötigt werden wird. Die jeweilige Entscheidung, ob wir unterstützend tätig werden, wird im Verein beraten und ausgiebig diskutiert. So wird z. Bsp. nicht akzeptiert, wenn entsprechende Lebensmittel, die von der Dorfbevölkerung bereitgestellt werden sollen, zwar vorhanden, aber nicht abgegeben werden. Die Entscheidung, die Schulspeisung dann nicht zu unterstützen fällt nicht leicht, hat im Weiteren aber zur Folge, dass die Dorfbevölkerung in Verantwortung steht und dieser dann bisher auch gerecht geworden ist.

 

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Mittagspause unter freiem Himmel

Die Schulspeisung läuft weiterhin durch die Beiträge der Dorfbevölkerung, alle 600 Kinder erhalten täglich eine warme Mahlzeit (überwiegend Hirseporridge). Die Schulspeisung wird durch saisonal verfügbares Obst (z.B. Mango) aus dem Schulgarten ergänzt.

Die von Wibia e.V. unterstützte Krankenstation (siehe Projektberichte der letzten Jahre) funktioniert ebenfalls und sichert die medizinische Grundversorgung im Dorf und für die Schulkinder. Sie ist weiterhin ein Anziehungspunkt für die Dörfer rund um Wibia. Der sich durch die Krankenstation etablierte Wochenmarkt und die kleineren Geschäfte (Teehäuser, Restaurants, Friseur etc.) profitieren nach wie vor durch die Besucher der Krankenstation.

Die Ergebnisse der Entwicklungszusammenarbeit mit Wibia zeigen eine nachhaltige Wirkung. Das Grundkonzept von Wibia e.V. besteht grundsätzlich in der Verbesserung der Rahmenbedingungen für eine Schulausbildung der Kinder. Es zeigt, dass sich ländliche Schulen und Dorfgemeinschaften selbst entwickeln, wenn sie bei Investitionen in die Verbesserung der Umgebungsbedingungen unterstützt werden. Hierbei bedeutet Unterstützung nicht nur das Überweisen von Geld, sondern das gemeinsame Erarbeiten von Projektzielen und deren gemeinsame Umsetzung (mit einem hohen Eigenanteil der Bevölkerung, siehe Projektberichte der letzten Jahre). Da in Wibia mittlerweile ein im lokalen Maßstab gutes Niveau erreicht wurde, soll dieses Grundkonzept, nachdem wir in 2016 und 2017 in N´Gongosoro unsere Aktivitäten bereits übertragen haben, auch weiterhin auf weniger entwickelte Standorte erweitert werden.

Projektstandort auch in 2017: N’Gongosoro
Hintergrundinformationen N’Gongosoro

N‘Gongosoro liegt abgeschieden im Südwesten des Ikungi-Distrikts, Tansania, nahe der Grenze zu Tabora. Das Dorf ist etwa 100 km von der nächsten größeren Stadt Singida entfernt und nur über Buschpisten erreichbar. Der Ikungi-Distrikt zählt aufgrund seiner geographischen Bedingungen zu einer der ärmsten Regionen in Tansania. Das Klima ist geprägt durch zunehmend lange Trockenperioden (nicht selten von März-Dezember). Auswirkungen der globalen Klimaeffekte sind zunehmend auch im Ikungi-Distrikt zu spüren: Verlängerung und Verlagerung der Regenzeit und damit Verringerung der landwirtschaftlichen Erträge.

In N‘Gongosoro leben 306 Familien (etwa 3000 Einwohner), hauptsächlich vom Stamm der Sukuma, die traditionell Vieh- und Landwirtschaft betreiben. Die Lebenserwartung in ländlichen Regionen wie N‘Gongosoro beträgt im Durchschnitt 56 Jahre. Die Bewohner leben in einfachen Lehmhäusern, die weit verstreut voneinander liegen und von den bewirtschafteten Flächen umgeben sind. Haupteinnahmequelle ist die Vieh- und Landwirtschaft. Die Bevölkerung erwirtschaftet ein durchschnittliches Jahreseinkommen von etwa 100€/Person, bei durchschnittlich 8 Personen pro Haushalt. Jegliche Infrastruktur (Wasser, Straßen oder ein Anschluss an ein Verkehrsnetz, Elektrizität, sanitäre Einrichtungen etc.) fehlen.

Die Dispensary in N`Gongosoro

Bau und Inbetriebnahme der Krankenstation (Dispensary)

N‘Gongosoro liegt 27 km von der nächsten Krankenstation entfernt. Die Entfernung muss in den meisten Fällen zu Fuß zurückgelegt werden. Die Bevölkerung leidet vor allem unter Malaria, Magen-Darm-Infektionen, Atemwegserkrankungen, Hautausschlägen, Parasitosen, Typhus, Hepatitis und Augenerkrankungen. Schwangere haben bisher vor oder während der Entbindung keine Möglichkeiten zur medizinischen Versorgung gehabt. Daher sind Entbindungen auf dem langen Weg zur nächsten Krankenstation keine Seltenheit gewesen. Weit verbreitet sind Verbrennungen von Frauen und Kinder durch mangelhaft geschützte Feuerstellen. Notfälle blieben oft unversorgt, einfache Frakturen meist unbehandelt. Die fehlende medizinische Infrastruktur führte oftmals schon bei einfach zu behandelnden Erkrankungen zum Tod (z.B. Malaria, Verletzungen, Wildtiere, Geburten etc.).

Durch den Bau der neuen Medizinstation hat sich die Lage nun erheblich verbessert. Seit Mitte des Jahres 2017 kann die Bevölkerung von N`Gongosoro nun die Dienste der Medizinstation in Anspruch nehmen.

Im Rahmen des BMZ-Projekts (75% der Kosten werden vom BMZ und 25% der Kosten werden vom Wibia e.V. getragen) ist die Krankenstation nach tansanischem Standard in Kooperation mit der Distriktverwaltung in Singida und der Dorfbevölkerung gebaut worden. Ausführende sind lokale Handwerker unseres Partners HAPA gewesen. Die Krankenstation in Ngongosoro ist kleiner ausgeführt als die Station in Wibia, da die Standard Dispensary für die örtlichen Gegebenheiten in N`Gongosoro überdimensioniert gewesen wäre. Die Standardbauausführung ist in W-Form, die Dispensary hier ist in U-Form gebaut worden. Dadurch ist auch ein wesentlich günstigerer Baupreis erzielt worden. Die Räumlichkeiten umfassen Behandlungs- und Untersuchungsraum, Labor, Apotheke, Beratungsraum, Umkleide, Raum für Impfungen, Verwaltungsraum und einen Wartebereich. Zur Wasserversorgung ist ein Erdtank mit einem Fassungsvermögen von 50.000 l gebaut worden. Damit auch abends oder nachts gearbeitet werden kann, ist die Station mit elektrischem Licht ausgestattet worden. Den Strom dafür liefert eine kleine  Photovoltaikanlage auf dem Dach.

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Im Rahmen des BMZ-Projekts wurde mit der Distriktverwaltung vereinbart, dass das benötigte Personalhaus (Double-Staff-House) für die Krankenstation vom Distrikt gebaut werden soll. Ohne eine entsprechende Unterkunft für das Personal (Krankenschwester und Medical Officer) kann eine Dispensary nicht betrieben werden.

Aufgrund der politisch veränderten Lage in Tansania; die Regierung geht seit einiger Zeit aktiv gegen Korruption vor; wurden unsere Absprachen mit dem Distrikt von höherer Stelle überprüft bzw. mussten von dieser genehmigt werden. Eigentlich waren wir hoffnungsvoll gewesen, dass das Personalhaus noch zeitnah hätte gebaut werden können. Nach Beratungen mit unserem Partner HAPA und Gesprächen mit der Distriktverwaltung schien dies leider nicht der Fall zu sein und wir konnten nicht abschätzen, wann das Personalhaus vom Distrikt hätte gebaut werden können. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, dass Double-Staff-House im Rahmen des BMZ-Projekts selber zu bauen. Die Finanzierung ist aufgrund von Einsparungen bei den Brunnenbauarbeiten und einer günstigen Wechselkursentwicklung möglich gewesen.

Die Größe und Ausstattung entsprechen dem aktuellen lokalen Standard  für ein Double Staff House.

Die Personalunterkunft ist in eingeschossiger Bauweise, bestehend aus zwei separaten Wohnbereichen von je ca. 90 qm Grundfläche, gebaut worden. Jede Wohneinheit hat einen mit einem Satteldach überdachten Gebäudeteil von ca. 50 m², bestehend aus drei Schlafzimmern und einem Wohnraum. Über einen Innenhof (ca. 27 m²) gelangt man in den von einem Pultdach überdachten Teil von ca. 16 m² mit Küche, Lagerraum, Waschstelle und WC.

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Besuch von Ana und Jochen Müller bei den Bauarbeiten des Double-Statt-Houses

Brunnenbau

Ein Zugang zu sicherem Trinkwasser ist bisher nicht vorhanden gewesen. Es gab keine Brunnenanlagen, verschmutztes Trinkwasser wurde aus saisonalen Flussläufen und Oberflächengrabungen gewonnen, die sich die Dorfbevölkerung mit den Wildtieren teilen musste. Die Wasserquellen waren ungeschützt und wurden auch zum Tränken der Kühe und Ziegen genutzt, was die Wasserqualität zusätzlich verschlechterte und Ursache für eine Vielzahl von Erkrankungen war (Magen- und Darmerkrankungen, Bilharziose, etc.). Die Entfernungen zu den Wasserquellen waren teilweise sehr groß, so dass viel Zeit für den täglichen Wassertransport aufgebracht werden musste. Dies wirkte sich natürlich auch auf die Schulanwesenheit der Kinder aus.

Im Rahmen des BMZ-Projekts waren ursprünglich die Bohrungen für vier Tiefbrunnen geplant. Bei den Tiefbohrungen hat sich nur eine Bohrung als geeignet herausgestellt, um einen Tiefbrunnen zu installieren. Die Beurteilung, ob eine Bohrung geeignet ist, hängt mit der Menge an ausströmendem Wasser in einer bestimmten Zeitspanne zusammen. Aus diesem Grund sind nur ein Tiefbrunnen und vier Schachtbrunnen an anderen Stellen gebaut worden. Durch die neuen Brunnen hat sich die Wasserversorgung für die Dorfbevölkerung nachhaltig verbessert.

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Der Grundriss des geplanten Vorschulraums mit Büro

Projektvorbereitung und Planung in 2018

Nachdem in 2017 die Projektarbeiten in N`Gongosoro abgeschlossen wurden, standen in 2018 die Planungen für zwei weitere Projekte an.

Das erste Projekt ist der Bau einer „Vorschule“ in Kititimo, einem Vorort von Singida. Anstoß für dieses Projekt haben zwei Einheimische gegeben, die im September 2017 mit Bernhard Fries nach Deutschland geflogen sind und unter anderem mit Mitgliedern vom Wibia e.V. gesprochen haben. Die beiden Männer aus Kititimo äußerten den Wunsch nach einer Vorschule für die Kinder in diesem Vorort. Die nächstgelegene Vorschule wäre viel zu weit entfernt und der Weg dorthin für die Kinder auf Grund des Verkehrs viel zu gefährlich. Wir entschlossen uns daraufhin, dieses Vorhaben zu unterstützen und komplett aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Ein Antrag beim BMZ auf Unterstützung dieses Vorhabens hat kaum Aussicht auf Erfolg. Bei dem Bau einer regulären Schule sieht das anders aus.

Die Vorbereitungen vor Ort sind noch nicht ganz abgeschlossen, so müssen unter anderem noch die Grundstücksgrenzen vom „Landsoffice“ abgesteckt werden und entsprechende Grenzsteine gesetzt werden. Die einheimische Bevölkerung stellt die Steine her. Sand ist vorhanden, alle anderen Baumaterialien und die Bezahlung entsprechender Handwerker werden von uns getragen. Wir hoffen, dass Anfang 2019 mit dem Bau begonnen werden kann. Die Begleitung und Aufsicht der Bauarbeiten werden von Bernhard Fries übernommen, mit dem wir schon bei vielen Projekten rund um Wibia zusammengearbeitet haben.

Auf seine Empfehlung werden wir zusätzlich zum Gebäude auch einen unterirdischen Regenwassertank für die Wasserversorgung der Vorschule bauen lassen. Die Gesamtkosten werden sich nach den bisherigen Planungen auf 18.000 € belaufen.

Beim zweiten Projekt wechseln wir vom Kontinent Afrika nach Südamerika, genauer gesagt nach Kolumbien. Seit einiger Zeit ist Ana Bolena Müller Mitglied im Wibia e.V.. Sie ist Kolumbianerin und lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Auf Grund ihres Engagements und Initiative haben wir uns dazu entschlossen, dieses Projekt, im Rahmen einer Förderung durch das BMZ, zu unterstützen. Der Antrag an das BMZ ist gestellt und wir hoffen, dass wir eine Zusage über die Förderung erhalten.

Der Projektname lautet: „Verbesserung der Wasserversorgung für die Entwicklung der Wayuu Kommune unter Berücksichtigung ihrer Sitten und Gebräuche“.

Hauptziel: Gemeinsame Anstrengungen schaffen, um die Mitglieder der Wayuu Kommunen aus Masimai, Landkreis Puerto Estrella in der nordlichen Zone der Alta Guajira mit dem Bau  handwerklicher Brunnen zu unterstützen. Dadurch sollen die Auswirkungen der Dürre gesenkt und hygienische Mindeststandards sowie eine sanitäre Grundversorgung geschaffen werden. Aber auch die generellen Aktivitäten innerhalb der Wayuu Sitten und Bräuche sollen bewahrt und gefördert werden.

Neben dem Bau der Brunnen sollen die Wayuu-Kommunen ausführlich mit dem Betrieb und der Wartung der Brunnen geschult werden. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf ca. 40.000 €, wobei 75% vom BMZ übernommen werden sollen.

„Abnahme“ der Brunnen von Jochen Müller mit „Offiziellen“ aus dem Dorf und der Ditrictverwaltung

Ausblick

In Abhängigkeit vom Erfolg des Projekts in Kolumbien ist es denkbar, dass wir unsere Aktivitäten auch langfristig auf diese Region ausweiten werden. Voraussetzung dafür wird allerdings die Qualität bei der Projektdurchführung und Zuverlässigkeit unseres neuen Projektpartners in Kolumbien sein.

In Anlehnung an das Projekt in N`Gongosoro können die dort durchgeführten Maßnahmen auf andere Dörfer übertragen werden. Im November 2018 wird Udo Enste nach Singida reisen, um von dort aus Ansprechpartner an den Projektstandorten zu treffen und die laufenden Projekte zu besprechen. In 2019 wird Jochen Müller zudem wieder nach Tansania fliegen, nicht nur um den Bau der Vorschule zu begutachten, sondern auch um mit unserem dortigen Partner HAPA mögliche Projektstandorte für die Zukunft zu besprechen.

Wir bedanken uns für Ihre bisherige Unterstützung und werden auch zukünftig auf Ihre Hilfe angewiesen sein, um entsprechende Projekte durchzuführen zu können.

Zu guter Letzt noch einige Eindrücke von der letzten Reise von Jochen und Ana Müller nach Wibia und N`Gongosoro.

 

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Asanteni Sana (Herzlichen Dank)

 Ihr Wibia Team

Bericht zu den Projektarbeiten von Wibia e.V. in 2017/18