Bericht zu den Projektarbeiten von Wibia e. V. 2019

Jannis Schnitzler, Köln, Juni 2019

 

Abbildung 1 Süden von Kititimo an der Grenze zum Naturschutzgebiet (ca. 4°49'54.0"S 34°46'57.0"E)

Anfang des Jahres 2019 reiste Jannis Schnitzler für zweieinhalb Monate nach Singida um Bestandsprojekte von Wibia e. V. zu besuchen und um in Kititimo den Bau eines Kindergartens zu begleiten. Außerdem hat Jannis sich mögliche Projektideen für zukünftige Projekte angeguckt und mit den Menschen vor Ort etwaige Konzepte angefangen auszuarbeiten.

Jannis hat für die Zeit bei Bernhard Fries, einem langjährigen Partner von Wibia e. V. gewohnt und konnte so zu Fuß zu der Kindergartenbaustelle nach Kititimo gehen – dem Hauptprojekt im Jahr 2019.

Kindergarten für Kititimo

Das „Hauptprojekt“ welches 2019 durchgeführt wird, stellt einen Kindergartenbau für die „Straße“ Kititimo dar. Kititimo liegt ca. 5 km vom Stadtzentrum von Singida entfernt und wird politisch als „Straße“ gewertet. Letzteres ist allerdings nur eine Definition der Regierung von Tansania. Für außenstehende Personen wirkt Kititimo wie ein kleines Dorf, so gibt es z. B.: Geschäfte, einen Fußballplatz und viele einzelne Straßen in denen Familien in Häusern wohnen. Oft sind die Steine von den Häusern aus lokalem Sand selbst gepresst, oder wurden von einem lokalen Steinbrenner gekauft. Von dem wirtschaftlichen Ausschwung in Singida profitiert auch Kititimo und so breitet sich die „Straße“ immer weiter aus und wächst im Süden bis an den Rand von einem kleinen Naturschutzgebiet (s. Abbildung 1).

Abbildung 2 Meeting mit der Bevölkerung in Kititimo (2018)

Da Wibia e. V. die Meinung vertritt, dass erfolgreiche Entwicklungshilfe nur in direkter Zusammenarbeit mit der örtlichen Bevölkerung langanhaltende positive Effekte für die Menschen haben kann, hatte auch das Kindergartenprojekt eine lange Vorlaufzeit mit diversen Meetings mit der Bevölkerung von Kititimo. Die folgende Abbildung 2 zeigt eines dieser Meetings für den Kindergarten im Januar 2018. An dem Meeting, bei dem jeder der möchte zu Wort kommt, haben Frauen sowie Männer teilgenommen und das Für und Wider eines Kindergartens diskutiert.

Abbildung 3 Head of Kititimo mit Jannis

Als alle Meetings durchgeführt worden sind, bei dem uns unser Partner Bernhard Fries zum wiederholten Male unterstützte, stand es fest: es wird einen Kindergarten für Kititimo geben.

Wibia e. V. musste nun sämtliche Formalitäten für den Bau klären, so dass im Februar 2019 zügig mit der Durchführung begonnen werden konnte. Hierfür musste u. a. ein Memorandum of Understanding (kurz MoU, auf Deutsch: Absichtserklärung) angefertigt werden und ein land ownership nachgewiesen werden. Das MoU wurde mit Anwälten von Singida zusammen erstellt und hält sämtliche Pflichten von Wibia e. V., der Regierung von Tansania sowie der „Straßenbevölkerung“ von Kititimo fest. So wird z. B.: der Großteil der Baumaterialien von Wibia e. V. getragen, Sand und LKW-Fahrten von der Regierung organisiert und Arbeiter (w/ m/ d) von Kititimo gestellt.

Abbildung 4 1. Baustellenbegehung mit Politik u. Facharbeitern

Im Februar 2019 hatte Jannis dann ein erstes Treffen mit dem Head of Kititimo wo er als kleine Aufmerksamkeit einen Wibia e. V. Kalender überreichte.

Im Anschluss an das Treffen gab es die erste Baustellenbegehung mit Vertreten der Politik sowie Facharbeitern.

Abbildung 5 Panoramaansicht der Baustelle

Die folgende Abbildung 5 zeigt einen Panoramaausschnitt der Baustelle. Der Kindergarten wird auf der linken Seite des Bildes errichtet. Der rechts zuerkennende Weg führt zu einer Sandabbaustelle sowie zu der Arusha Road, welche den Kindergarten an das Infrastruktursystem Tansanias anschließt. Letzteres ist besonders für mögliche zukünftige Projekte am gleichen Standort von Interesse.

Abbildung 6: Der Wassertank muss wieder instandgesetzt werden.

Die folgenden Bilder sollen einen Eindruck und ein Gefühl der malerischen Region um den Kindergarten herum vermitteln.

Abbildung 6 Die Aushebung des Fundaments

Als alle offiziellen Termine abgewickelt und sämtliche Unterschriften eingesammelt waren konnte es mit dem Bau beginnen.

Geplant war, neben dem Kindergartengebäude (mit einem Büro und einem „Kinderraum“) noch einen 30.000 Liter Regenwassertank zu realisieren sowie Toiletten zu bauen. Zusätzlich wurde noch ein kleiner Lagerraum gemauert. Letzteres diente in der Bauphase als Raum, um Werkzeuge zu lagern sowie als Schlafplatz für den Nachtwächter. Für den Betrieb des Kindergartens ist es denkbar hier eine Küche o. ä. nachzurüsten.

Die Abbildung 6 zeigt, wie freiwillige Helfer aus Kititimo das Fundament ausheben. Mittig im Hintergrund sind die gelieferten Steine als auch der kleine Lagerraum zu sehen. Rechts im Hintergrund sind Helferrinnen zu sehen, welche aus dem nahegelegenen Fluss Trinkwasser holen.

Im späteren Verlauf der Baustelle wurde aus demselben Fluss auch das Wasser für den Baubedarf geholt. Hierfür standen uns 10 und 20 Liter Eimer zur Verfügung, welche wahlweise mit der Hand getragen, oder auf dem Kopf balanciert wurden.

Abbildung 7 Trinkwasser und Bauwasserquelle

Durch ein sehr motiviertes Team und viele helfende Hände ging der Bau sehr schnell voran und man konnte täglich deutliche Fortschritte sehen.

Abbildung 8 Die Grundmauern des Kindergartens

So stehen auf Abbildung 8 schon die Grundmauern und im rechten Bereich des Bildes werden, mit einem kleinen Hammer, Steine für den ersten Ringanker klein geschlagen. Die Steine, welche hierfür verwendet werden, sind auf den Bildern zwischen Abbildung 5 und 6 zu sehen. Um die Steine in die richtige Größe für den Ringanker zu bekommen, werden diese anfänglich mit einem brennenden Autoreifen erhitzt und anschließend mit kaltem Wasser abgeschreckt und zerbrochen. Hiernach werden die Steine in diverse Größen geschlagen. Überall in der Singida Region können am Straßenrand, überwiegend Frauen beobachtet werden, welche ähnlich wie der Helfer auf Abbildung 8 die Steine mit Hämmern klein schlagen und zum Verkauf anbieten. Außer der hohen körperlichen Belastung für die Arbeiter wird so auch die malerische Landschaft Singidas Stück für Stück zerstört und durch die brennenden Autoreifen die Umwelt verpestet. Eine alternative für die Steine war in Singida aber leider nicht erhältlich.  

Abbildung 9 Der Kindergarten nimmt langsam Form an

Da der Untergrund des Kindergartens sehr sandig ist wurde neben einem tieferen Fundament zusätzlich ein zweiter Ringanker realisiert. Auf der Abbildung 9 ist der Bauvorschritt deutlich zu sehen und es wird mit den Säulen der Veranda sowie dem Dach begonnen.

Abbildung 10 Das Dach ist fertig

Als Jannis am Flughafen auf sein Flugzeug nach Amsterdam wartete erreichten ihn folgende Bilder:

Abbildung 11 Der Wassertank wird ausgehoben

Kurz danach wurde der Wassertank fertig gestellt und ein nächster Meilenstein abgehakt.

Abbildung 12 Der Wassertank wird verputzt und somit abgedichtet

Der Wassertank wird verputzt und somit abgedichtet

Abbildung 13 Der Wassertank ist fast fertig, es fehlt noch die Pumpe

Der Wassertank ist fast fertig, es fehlt noch die Pumpe.

Bernhard Fries wird den Bau bis zum Abschluss weiter begleiten und hält Wibia e. V. auf dem Laufenden.

Schulbänke für die Primary School in N´Gongosoro

Abbildung 14 Typischer Ausblick auf dem Weg nach N´Gongosoro

Eine weitere Aufgabe für Jannis war es, für die Primary School in N´Gongosoro 30 Schulbänke fertigen zu lassen und auszuliefern. Diesem Projekt vorangegangen war das Treffen zwischen Udo Enste (Wibia e. V.) und dem Head Teacher, Mr. Mollel, der Primary School in N´Gongosoro Ende 2018. In der Zeit zwischen dem Treffen 2018 und dem Besuch von Jannis 2019, hat sich die Schulbanksituation der Schule dahin gehend verbessert, dass Mr. Mollel einen großen Baum auf dem Schulgelände hat fällen lassen und so aus dem Holz 10 weitere Schulbänke bauen lassen konnte.

Abbildung 15 Ein typischer Klassenraum der Primary School in N´Gongosoro

Jannis besuchte die Schule zwei Mal und war von der schönen Lage der Schule beeindruckt und von den vielen Schülern (w/ m/ d) und den wenigen Klassenräumen bestürzt. Die Klassenräume waren bei beiden Besuchen sehr voll, jedoch bei dem ersten Besuch völlig überfüllt.

Abbildung 16 Der Schreiner der Schulbänke in seiner Werkstatt

 Abbildung 16 entstand bei dem zweiten Besuch und am Nachmittag.

Viele Kinder waren hier schon Zuhause, beim ersten Besuch zu einer früheren Tageszeit waren min. doppelt so viele Schüler (w/ m/ d) in den Klassenräumen. 

Abbildung 17 Abladen der Schulbänke in N'Gongosoro

Ursprünglich sollten die Schulbänke lokal in N´Gongosoro gefertigt werden, jedoch konnten die örtlichen Schreiner keinen Stückpreis nennen, da in dem Dorf nicht genug (teures) Bauholz vorrätig war. Also wurden die Bänke in Singida gefertigt und mit einem LKW nach N´Gongosoro gefahren, die Kosten für den LKW übernahm die Schule.

Abbildung 17 zeigt den stolzen Schreiner am Tage der Tischübergabe in seiner Werkstatt.

Abbildung 18 Verladung der Schulbänke in Singida

Nach einer ca. zweistündigen Fahrt von Singida nach N´Gongosoro wurden die Tische an die überglücklichen Schüler (w/ m/ d) überreicht.

Abbildung 19 Probesitzen auf den neuen Schulbänken

Jannis hat zusätzlich zu den oben beschriebenen Projekten Bestandsprojekte besucht und kleinere Reparaturen und Wartungen koordiniert. Zudem wurden weitere wichtige Kontakte geknüpft und mit einer örtlichen NGO weitere Schulen besichtigt.

Voraussichtlich werden Anfang und Ende 2020 wieder Mitglieder von Wibia e. V. nach Singida fliegen und die Bestandsprojekte besuchen, sowie neue realisieren.

All diese Projekte sind nur mit und durch Ihre Unterstützung möglich. Daher möchten wir, Wibia e. V., uns aufrichtig für Ihre Spenden bedanken.

Wir würden uns sehr über eine weitere Zusammenarbeit Ihrerseits freuen, damit wir auch 2020 wohltätige Projekte realisieren können.

Alle Reisekosten und Verpflegungskosten wurden von Jannis selber getragen. So werden 100 % der Spendengelder direkt in die Realisierung der Projekte investiert.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!