Bericht zu den Projektarbeiten im Sommer 2008 in der Wibia Primary School, Wibia, Singida District, Tansania

Die nachfolgenden Bilder zeigen die Motivation für unsere (ehrenamtliche) Arbeit auch in diesem Jahr. Diesmal hatten wir eine Digitalkamera dabei, die großes Interesse bei den Kindern weckte, da man direkt die Fotos anschauen konnte (dies führte zu etwa 1200 Fotos, die wir leider hier nicht alle zeigen können...).

Ein Blick zurück:

Zur Einordnung der diesjährigen Projektarbeiten möchten wir kurz die frühere Situation in Wibia beschreiben. Das Dorf Wibia im District Singida / Tansania ist nur über eine Buckelpiste erreichbar und ist nicht an ein öffentliches Strom- oder Wassernetz angeschlossen. Strom- oder fließend Wasser - Fehlanzeige. Das Schul- als auch das Gesundheitswesen sind schlecht ausgebaut, eine mangelhafte medizinische Versorgung und die extrem hohe Arbeitslosenquote machen die Situation nicht einfacher. Ein grundsätzliches Problem sind die klimatischen Bedingungen: lange Dürreperioden und ein ertragsarmer Boden führen oftmals zu schlechten Ernten und folglich zu einer Mangelernährung der Kinder von Wibia.

Die Wibia Primary School ”Wibia Shule Ya Msingi” ist eine von etwa 360 Schulen im Singida Distrikt. Zu Beginn der Projektarbeiten waren die Schulgebäude in teilweise sehr schlechtem Zustand. Auch heute fehlt es noch an Lehrpersonal und Unterrichtsmaterialien. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser war nicht vorhanden, Erkrankungen der Kinder daher häufig. Die Ernährungslage der Kinder ist nicht zufrieden stellend.
Der Zustand der Schule wurde in den letzten Jahren durch Gemeinschaftsarbeiten der Dorfbewohner, der Schule, der Erziehungsbehörde für den Distrikt Singida, den lokalen Handwerkern und Wibia e.V. verbessert (siehe Projektberichte 2004, 2004/2005, 2005 und 2007 ).

Das Projekt 2008: Vorbereitung der Schulspeisung
Das übergeordnete Ziel der Projektarbeiten besteht seit 2006 darin, eine warme Mahlzeit pro Tag für die Kinder in der Schule - oftmals die einzige am Tag - zu realisieren. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde 2006/2007 gemeinsam mit den Dorfbewohnern ein 46.000 Liter fassender Wassertank gebaut. Nach Fertigstellung des Tanks wurde er von den Kindern mit Motiven aus der Umgebung von Wibia angemalt.
Der Wassertank stellt nur einen Teil der nötigen Vorarbeiten zur Realisierung einer Schulspeisung dar. Für die Versorgung von 700 Kindern sind weitere Voraussetzungen nötig. Zuerst müssen grundsätzliche Rahmenbedingungen erfüllt sein: man braucht ein Küchengebäude mit Öfen, einen Raum zum Lagern der Nahrungsmittel, genügend Töpfe, notwendiges Essgeschirr etc.

Bau der Küche – Los geht´s
Beim Bau des Küchengebäudes inkl. des großen Vorratsraums haben 2008 wieder einmal alle Partner mitgeholfen. Die nachfolgenden Bilder zeigen einen Teil des Projektteams aus Dorfbewohnern und  lokalen Handwerkern. Auch die Kinder halfen fleissig beim Sammeln von Sand und Wasser mit.

Die Küche wurde mit vier Brennholz sparenden Öfen ausgestattet. Da zum Bau der Öfen eine besondere Technik erforderlich war, wurde ein Spezialist aus Dodoma engagiert.

Neben den Baumaßnahmen müssen für die Schulspeisung andere organisatorische Voraussetzungen geschaffen werden, z.B. wer organisiert die tägliche Schulspeisung, was wird gekocht, wer sammelt die Nahrungsmittel ein, müssen zusätzliche beschafft werden oder reichen die verfügbaren Mittel nur für die Monate mit der schwierigsten Versorgungslage, wer stellt die notwendigen Transportmittel zur Verfügung, wer kocht und teilt das Essen aus etc.?

Große und robuste Töpfe waren in Singida nicht verfügbar; sie wurden eigens aus Dar Es Salaam beschafft. Das Ergebnis der Bauvorhaben 2008 zeigen die nachfolgenden Bilder: Küchengebäude (rechts unten) und Vorratsraum (unten).

Außerdem wurde das notwendige Equipment zur Umsetzung der Schulspeisung (Töpfe, Schalen, Teller, Tassen etc.) für 700 Kinder angeschafft.

Hierzu wurde die Schulspeisung in der Dorfversammlung und mit dem Schulkomitee diskutiert. Die Dorfbewohner haben entschieden, dass jede Familie (unbesehen ob sie Kinder in der Schule hat oder nicht!) zur Schulspeisung einen Teil der jährlichen Ernte beisteuert. Sie stellen auch das Küchenpersonal und das Brennholz für die Öfen. Aufgabe des Schulkomitees ist die Organisation der Schulspeisung, d.h. Einsammeln von Nahrungsmitteln, Erstellung des Kochplans, Einteilung des Küchenpersonals etc. Die Erziehungsbehörde stellt einen Lastwagen für den Transport von Nahrungsmitteln zur Verfügung, die zusätzlich beschafft werden müssen. Außerdem übernimmt sie die Gesamtverantwortung der Schulspeisung.

Auch in diesem Jahr wurde ein Teil Ihrer Spendengelder für die Unterstützung der Schulausstattung verwendet. So wurden 3000 Schulhefte, 2000 Kugelschreiber und Bleistifte beschafft und an die Kinder verteilt.

Ein Blick nach vorne:
Wie in jedem Jahr ist auch das diesjährige Projekt eine Gemeinschaftsleistung der Dorfbewohner, der Schule, der Erziehungsbehörde für den Distrikt Singida, den lokalen Handwerkern und von Wibia e.V. Dies ist ein wesentliches Element der Projektarbeiten von Wibia e.V., denn nur durch die gemeinschaftliche Beteiligung aller Partner kann die Nachhaltigkeit der Projekte gewährleistet werden. Grundsatz ist, dass die Gemeinschaft rund um die Schule ihre eigenen Projekte realisiert, wir helfen „nur“ beim Start und bei der Umsetzung.
Neben den Baumaßnahmen in 2008 wurde gemeinsam geplant, wie jeder Partner seinen Beitrag zur Realisierung der Schulspeisung leisten kann. Ein Ziel ist hier, dass die Dorfgemeinschaft langfristig die Schulspeisung aus eigenen Mitteln realisieren kann. Hierfür müssen jedoch in den nächsten Projektarbeiten noch die Voraussetzungen geschaffen werden (z.B. durch eine Verbesserung des Ertrags des Schulgartens).
Zur Durchführung der Schulspeisung für unsere 700 Kinder benötigen wir auch in 2009 Ihre Hilfe, um bspw. benötigte Nahrungsmittel bereitstellen zu können, sei es durch Anbau oder Beschaffung.

Herzlichen Dank für hre Unterstützung

Ihr Wibia-Team