Bericht zu den Projektarbeiten im Frühjahr 2009 in der Wibia Primary School, Wibia, Singida District, Tansania

Priorität der Projektarbeiten im ersten Quartal 2009 hatte die Etablierung der Schulspeisung in der Wibia Primary School, Wibia, Singida District, Tansania. Zusätzlich wurden mit dem lokalen Krankenhaus in Makiungu medizinische Dienste in der Schule vereinbart. Hierzu reiste Jochen vom 20.02.-08.03.2009 nach Tansania.

Situation vor Ort:
Wibias großes Problem ist der ertragsarme Boden und die anhaltende Trockenheit, die fast das ganze jahr über herrscht (siehe auch projektbericht 2008) und das Leben in Wibia nicht leicht macht (schlechte Ernten, Mangelernährung der Kinder).
Während der Regenzeit jedoch verwandelt sich das sonst ausgetrocknete und staubige Land in ein grünes Paradies mit einem angenehmen Klima. Die Regenzeit dauert von Dezember bis Februar - bedeutet aber nicht, dass es dauernd regnet. Regenzeit in Tansania heisst vereinzelte und oftmals sintflutartige Regenfälle, die meist nach kurzer Zeit wieder aufhören. Halten die Regenfälle jedoch an, führt dies zu erheblichen Überschwemmungen und Zerstörungen.

Trotz des angenehmen Klimas sind Regenzeit und die umliegenden Monate für die Dorfbevölkerung von Wibia eine schwierige Zeit. Sie zählt zu den ärmsten Perioden im Jahr, da die nächste Ernte (je nach Regen auch Missernte) noch nicht eingefahren ist, die Vorräte der Kleinbauern zum größten Teil aufgebraucht sind und die Reserven für die nächste Aussaat benötigt werden.
Dies führt zu einer Schmälerung der Lebensmittelversorgung unserer Kinder, die meist nur abends eine Mahlzeit erhalten.
Gerade in diesen Monaten zeigt die Schulspeisung in Wibia also ihre Wirkung, denn Kinder mit ständigen Hungergefühlen können nicht gut lernen! Generell führt die Schulspeisung auch dazu, dass die Zahl der am Unterricht teilnehmenden Kinder ständig zunimmt.

Die Schulspeisung startete bereits im Dezember 2008
Bereits Ende November 2008 sammelte das Schulkomitee Geld (200.000 TSh), Mais und Hirse (10 bags á 100 kg) von der Dorfbevölkerung ein. Wibia e.V. überwies gleichzeitig an seinen lokalen Partner HAPA 3 Mio TSh zur Unterstützung der Schulspeisung für 2009.

Zusätzlich hat das Schulkomitee im Schulgarten 10 acres Mais, 4 acres Sorghum, 2 acres Millet, 1.5 acres Cassava für die Schulspeisung bestellt. Der Distrikt schickte neben Lastwagen zum Ankauf von Lebensmitteln, die nicht ausreichend vorhanden sind (z.B. Zucker) auch landwirtschaftliche Experten zur besseren Nutzung des Schulgartens.

Neben der grundlegenden Organisation (Kochplan, Einstellung von Köchen, Einsammeln von Nahrungsmitteln, Planung der zu beschaffenden Lebensmittel etc.) erstellte das Schulkomitee für die verschiedenen Gerichte Rezepte und entwickelte jeweils Formeln, die je nach Anzahl Kinder die richtige Menge an Zutaten auflistet.

Vom eingesammelten Geld der Dorfbewohner wurden zwei Köche aus dem Dorf eingestellt, die nun jeden Schultag ab 10 Uhr für etwa 600 Kinder kochen.
Hauptsächlich wird Uji gekocht, hier das Rezept zum Nachkochen:
Uji wird aus Maismehl, Wasser und einer Prise Zucker gemacht. Maismehl wird in einem Eimer kaltem Wasser aufgerührt und anschließend in die großen Töpfe mit kochendem Wasser gefüllt, in denen es etwa eine Stunde mit der Zugabe von Wasser gekocht wird. Es schmeckt übrigens sehr gut und sättigt den ganzen Tag.

Zuerst bekommen die kleinsten aus der Vorstufe, und anschließend nach Jahrgangsstufe gestaffelt (Pre-School, Standard 1 bis Standard 7).

Die Schulspeisung funktioniert also schon seit Dezember 2008, und zuerst eigenständig ohne die Hilfsgelder von Wibia e.V. Das Projekt fügt sich in die grundlegende Zielsetzung von Wibia e.V.: die Rahmenbedingungen für eine „normale“ Grundschulausbildung der Kinder von Wibia zu schaffen. Die Voraussetzungen hierfür wurden durch die Arbeiten der letzten Jahre geschaffen: Bau des Regenwassertanks und der Küche inkl. Vorratsraum und Ausstattung (siehe Projekt 2008). Neben der Überbrückung der extremen Monate soll die Schulspeisung ganzjährlich funktionieren, denn auch sonst ist die Lebensmittelversorgung der Schulkinder nicht gut.

Wie jedes Projekt wird die Schulspeisung in Kooperation von Schule, Dorfgemeinschaft und Distrikt eigenverantwortlich und damit nachhaltig durchgeführt. Nach der Ernte geben die Dorfbewohner einen Teil ihrer Erträge (Geld, Getreide) an die Schule ab, der Rest wird in der Anlaufphase des Projekts von Wibia e.V. durch Ankauf von Lebensmitteln getragen. Der Anteil des Dorfs und der Schule nimmt mit der Zeit zu, sodass Wibia e.V. seinen Beitrag zunehmend zurücknehmen kann und Dorf, Schule und Distrikt dann eigenständig die Schulspeisung tragen.

Volleybälle
Ein besonderes Highlight war dieses Mal die Übergabe von sieben Volleybällen an die Kinder, die freundlicherweise vom Volleyplausch-Club Rynach gespendet wurden. Ein Volleyball kostet in Wibia so viel wie zwei Monatsgehälter eines Lehrers – ein echter Luxus!

Victorini
Victorini ist ein ehemaliger und besonders begabter Schüler der Wibia Primary School, der sich zurzeit in der Secondary School auf sein Studium vorbereitet (geplant: Touristik). Wibia e.V. unterstützt ihn hierbei zeitlich begrenzt durch Übernahme der Schulgebühren. Er ist der erste Schüler von Wibia, der ein Studium beginnt.

Jutropha
Jutropha stellt eine Möglichkeit zur geringen Aufbesserung der Einkünfte dar. Die vielseitig verwendbaren ölhaltigen Früchte (Seife, Treibstoff, Lampenöl etc.) sind in Wibia sehr verbreitet und ergeben in einer Annahmestelle in Singida 200 TSh/kg (etwa 10 Euro Cent).

Schulausstattung
Auch in diesem Jahr wurde ein Teil Ihrer Spendengelder für die Unterstützung der Schulausstattung verwendet. So wurden wieder Schulhefte, Kugelschreiber und Bleistifte beschafft und an die Kinder verteilt.
Zusätzlich haben wir neue Materialien für die Küche (Wassertonnen, Reinigungsmittel etc.) besorgt, sowie örtliche Wasserpumpen in Stand gesetzt.

Medizinische Dienste in der Wibia Primary School
Etwa zwei Stunden von Wibia entfernt ist die nächste Stelle zur medizinischen Versorgung, das Krankenhaus in Makiungu. Das Krankenhaus in Makiungu wird von den Medical Missionaries of Mary geführt. Die Ausstattung des Krankenhauses hat sicherlich keinen europäischem Standard, ist jedoch im Dorf akzeptiert. Es fehlt an Personal (dessen Bezahlung schlecht und unregelmäßig erfolgt), Betten, Behandlungsmaterial, Untersuchungsapparaten etc. Aufgrund verschiedener Infektionsgefahren ist eine Behandlung im Krankenhaus abzuwägen.

Die relativ weite Entfernung bedeutet, dass nur in extremen Fällen ärztliche Hilfe bzw. das Krankenhaus aufgesucht wird (so wurde bei Jochens Ankunft ein Kind in den Feldern auf dem Fußweg ins Krankenhaus geboren). Übliche Kinderkrankheiten und verbreitete Krankheiten wie Wurminfektionen, Pilze etc., die frühzeitig entdeckt relativ einfach behandelt werden können, werden nur selten einem Arzt gezeigt.

Um diese Situation zu verbessern, wurden mit dem Krankenhaus medizinische Dienste in der Schule vereinbart. Zweimal pro Monat kommt nun ein Team des Krankenhauses in die Schule, um dort einfache Fälle direkt ambulant zu behandeln (z.B. Wurm- oder Pilzmedikamente auszugeben) und schwierige Fälle in das Krankenhaus zu überweisen.
Außerdem erfolgt an den Vorortterminen eine kontinuierliche Untersuchung und Gesundheitserziehung aller Schulkinder (Children Screening). Zusätzlich wurden Mutter-Kind-Dienste vereinbart, die teil der Gesundheitserziehung sind und frühzeitig über Krankheiten und der Vermeidung informieren.

Anden folgenden Tagen finden die medizinischen Dienste in Wibia statt:

März 26.03.
April 02.,09.,30.04.
Mai 21.,28.05.
Juni 04.,11.06.
Juli 09.,23.,30.07.
August 06.,27.08.
September 10.,24.09.
Oktober 08.,29.10.
November 12.,26.11.
Dezember 03.,10.,31.12

Alle getroffenen Maßnahmen wurden mit allen Beteiligten diskutiert und entschieden. Nur so kann Erfolg und Nachhaltigkeit der Projekte gewährleistet bleiben. Hierzu wurden wieder viele Meetings mit Schulkomitee, Dorfverwaltung, der Erziehungsbehörde und neu dem Krankenhaus in Makiungu geführt.

Wibia e.V. finanziert sich hauptsächlich durch private Spenden, die zu 100% in die laufenden Projekte fließen. Zur weiteren Unterstützung der Schulspeisung und für die Fortführung der medizinischen Dienste benötigen wir auch weiterhin Ihre Hilfe.

Asante Sana (Herzlichen Dank) für Ihre unterstützung

Ihr Wibia Team